Im Mittelalter war der Zeidler in unserer Gegend ein angesehener Beruf. Man imkerte nicht mit einer Beute, sondern man baute Nisthilfen für Bienenschwärme. Der Zeidler höhlte geeignete Bäume aus. Nistete sich dort ein Schwarm ein, so konnte er im Frühjahr und im Sommer den Honig daraus ernten. Die Baumwipfel wurden dabei meistens abgeschlagen, damit die Bienenvölker durch Blitzschläge geschützt waren. Außerdem konnten die Baumstämme (also die Bienenbeuten) somit an Stärke gewinnen. Auch wurden die Bäume in einer Höhe ausgehöhlt, die einen Schutz vor vielerlei Tiere bot. Meistens unter einem starken Ast, an dem der Zeidler seinen Zeidlersitz befestigen konnte. Er kletterte mit Hilfe einer Leiter hinauf befestigte seinen Sitz an dem Ast vor dem Bienenvolk und konnte so seinen imkerlichen Arbeiten nachgehen. Der Begriff Zeidler lässt sich aus seinem Werkzeug ableiten. Der Zeidler schintt mit einem Zeidlermesser die Honigwaben heraus (schneiden: zeideln). Aber der Zeidler schütze nicht nur die Bienenvölker vor Angreifern, sondern auch sich selbst. Da es in den Wäldern früher noch sehr viele Bären gab, war die Zeidlerei einer der wenigen Berufsstände, der die Erlaubnis zur Bewaffnung erhielt, typisch dafür war das Tragen einer Armbrust. Diese bot jedoch auch Schutz vor Dieben und Räubern, die hinter dem süßen Gold her waren, denn die Preise für Honig als einziges Süßungsmittel und das unabdingbare Bienenwachs für Kerzen waren sehr hoch. Als Gegenzug für diesen Vorteil der Bewaffnung, erließ der römische Kaiser und König der Franken, Karl der Große, wirksame Gesetze zur Förderung der Bienenhaltung. So hatte der Zeidler zur Pflicht, den Kaiser und seine Garde sicher durch den Nürnberger Reichswald zu geleiten und der Kirche im Jahr mehrere Zentner Wachs zu liefern. Im Mittelalter hatte die Bienenhaltung einen Hohen Entwicklungsstand erreicht, geschützt und gefördert durch die Gesetze. Doch durch die Reformation der Kirche wurde bald auf die Pompösität und Lichterglanz verzichtet, so dass vor allem die Wachsnachfrage sank. Der Dreißigjährige Krieg raffte 75% der Bevölkerung und 80% des Viehbestandes dahin, so dass die wenigen die noch lebten, an Hunger litten. Der Krieg seinerseits wurde durch hohe Steuern auf landwirtschaftliche Produkte finanziert, was wiederum für die Imker eine Reduzierung der Bienenvölkeranzahl bedeutete, um den Kriegssteuern zu entgehen. Auch bei der Pest starb ein Großteil der Bevölkerung und viele Imker nahmen Ihr Wissen mit ins Grab. Der Honig wurde mehr und mehr aus Nord- und Südamerika importiert und bekam Konkurrenz von Zucker und Konfitüre. Bier und Wein verdrängten den Honigmet und Bienenwachs wurde durch amerikanisches Pflanzenwachs ersetzt. Das Zeidlerwesen wurde durch das Aufstreben der Industrie und dem Städtezuwachs (großer Bedarf an Holz) gebietsweise verboten. Durch die zunehmende landwirtschaftliche Fläche verarmte die Bienenweide und die Wertverminderung des Honigs führte zu häufigem abschwefeln (töten) des Bienenvolkes um möglichst viel Honig zu ernten, oder um im Winter nicht viel zufüttern zu müssen. Daraus folgte ebenfalls eine Reduzierung der Bienenvölker und somit leider auch der Untergang des Wissens über die Imkerei.