Die Aufgaben der Geschlechter
Das Bienenvolk besitzt als Staatsoberhaupt eine Königin (Weisel). Mit den 30 000- 80 000 weiblichen Arbeiterbienen und den 600 -1 200 männlichen Drohnen die das Volk bilden, beschreibt es im Grunde eine Monarchie.
Inwiefern richten sich aber die Arbeiterbienen und Drohnen nach dem Willen der Königin?
Oder muss sich die Bienenkönigin eher nach den Arbeiterbienen richten?
Wie sehen die Abhängigkeitsverhältnisse im Bienenvolk aus?
Tatsächlich besteht zwischen Bienenkönigin, Arbeiterbienen und Drohnen eine Abhängigkeit.
Das heißt ohne Königin gäbe es im Bienenstock keine weiblichen Nachfahren, das Bienenvolk wäre ohne die weiblichen Nachfahren nicht überlebensfähig.
Würden sich jedoch die Arbeiterbienen nicht stets um die Königin kümmern und sie wärmen und mit Essen versorgen, welches sie nicht nur in den Stock herein tragen, sondern der Königin auch direkt anreichen, wäre auch die Königin nicht überlebensfähig.
Genauso eine wichtige Rolle spielen die männlichen Drohnen im Bienenvolk. Sie leben zwar regelrecht für die Begattung, an welcher sie später sterben, doch ist es genau das, was letztendlich den Fortbestand des Volkes sichert.
Die Wahl des Staatsoberhauptes
Was ist aber, wenn das Bienenvolk mit ihrem Staatsoberhaupt nicht mehr zufrieden ist? Die Königin ist zu alt, die Eilage ist ungenügend, der Fortbestand nicht mehr gesichert.
Man kann sagen, die Königin wird ganz einfach gestürzt.
Das Bienenvolk schafft sich durch eine stille Umweiselung eine neue Königin. Das heißt, am Rand der Waben werden vereinzelt Königinnenzellen gebaut. Nach dem Schlupf der neuen Königin, sticht diese die alte Königin ab.
Kann man also beim Bienenstaat tatsächlich noch von einer Monarchie sprechen?
Zumal nicht nur die Thronerben des selben Blutes sind wie die Königin, sondern alle Arbeiterinnen und Drohnen direkte Nachkommen der Königin darstellen.
Arbeitsteilung im Volk
Wie sind die Stände aufgestellt?
In einer Monarchie sind die Stände ganz klar definiert.
Hier aber gibt es eine Arbeitsteilung unter den Bienen, die soweit geht, dass jede Biene den gleichen ` Beruf ´ erlernt.
Nach 21 Tagen schlüpfen die Arbeiterbienen.
In den ersten 2 Tagen ihres Lebens haben sie Putzdienst. Ihre Aufgabe ist es die Waben zu reinigen, so dass die Königin neue Eier in die Zelle legen kann. Außerdem halten sie die Brut warm, denn diese braucht zur Weiterentwicklung eine konstante Wärme von 35°C.
Am 3. Tag werden sie zu Ammenbienen. Sie haben die Brut im älteren Larvenstadium mit Pollen, Futtersaft und Honig zu versorgen.
Am 6. Tag sind die Futtersaftdrüsen der jungen Bienen voll entwickelt, so dass sie sich nun auch um die jungen Larven und Eier (Stifte) kümmern, welche in Futtersaft gebettet sind, sowie das Aufziehen von Weiselzellen, die nur den guten Futtersaft aus der Futtersaft- und Mandibeldrüse bekommen. Auch haben ein paar dieser jungen Ammen die Aufgabe sich unentwegt um die Königin zu kümmern, so dass diese stets mit Futtersaft versorgt ist und durchweg die Zellen bestiften kann (Eier legen). Diese Ammenbienen bilden zugleich den Hofstaat.
9.-12. Tag Die Futtersaftdrüsen der Biene stellen jedoch bald ihre Tätigkeit ein, die Bienen machen erste Orientierungsflüge vor dem Flugloch, sie übernehmen wieder Putzarbeiten im Stock und nehmen den gesammelten Nektar entgegen, um ihn zu bearbeiten und in die Waben einzulagern. Der Pollen wird in die Zellen eingestampft und mit Propolis (Kittharz) die Ritzen verkittet. Allmählich entwickeln sich die Wachsdrüsen.
Ab dem 12. Tag wird die Arbeiterin nicht nur zur Honigmacherin, sondern auch zur Baubiene. Sie schwitzen aus den Wachsdrüsen am Hinterleib, diese liegen genau zwischen den vier letzten Bauchschuppen, kleine durchsichtige Wachsplättchen aus. Die Bienen sind von Anfang an die perfekten Baumeister und errichten, indem sie sich mit Vorder- und Hinterbeinen aneinanderketten den sechseckigen Wabenbau, in den es nun weiter Honig und Pollen einzulagern gilt.
Erst ab dem 18. Tag geht es an den Außendienst. Die Baubiene wird zur Wächterbiene. Die Giftdrüsen sind nun voll entwickelt und die Giftblase gefüllt. Die Wächterinnen bewachen den Eingang des Bienenstockes vor Eindringlingen und Räubern, indem sie diese am Geruch erkennen. Mit Hilfe ihres Alarm-Pheromons werden weiter Bienen alarmiert und der Eindringling vertrieben, bzw. meistens noch am Flugloch abgestochen.
Ihre letzte Tätigkeit nehmen die Bienen ab dem 20. Tag auf. Sie werden zu Sammlerinnen.
Sie fliegen aus um Nektar, Honigtau, Pollen, Kittharz und Wasser zu sammeln.
Die Trachtbienen suchen sich die attraktivsten und ergiebigsten Trachten aus. Im Stock angekommen verständigen sie sich über die Futterquellen.
Trachtbienen sterben bei den Sammelflügen, sei es durch andere Insekten, Spinnen, Vögel, Unwetter oder einfach durch die eigene Körperschwäche nach langer Zeit der Abarbeitung.
Das Alter einer Sommerbiene mit all ihren verschiedenen Berufen geht meistens nicht über den 40. Tag hinaus.
Wenn sie merken, dass ihre Zeit gekommen ist, sterben sie aus hygienischen Gründen außerhalb des Stockes.
Die Winterbienen haben natürlich nicht diese vielen verschiedenen Tätigkeiten zu errichten. Sie leben bis zu 4 Monaten, weil sie sehr wenig Energie verbrauchen. Ihre Aufgaben sind das Wärmen der Königin, die sich im Inneren der Wintertraube befindet und das Füttern dieser, so wie die eigene Futteraufnahme.
Erst im Frühjahr, wenn die Königin wieder in Eilage geht, müssen sie Ammen- und Putztätigkeiten aufnehmen.